Die «Union» ist reif für eine grüne Insel

Als Kompensation für neue Parkplätze im Parkhaus Central am Unteren Graben hat die Stadt St.Gallen oberirdische Parkplätze in der nordöstlichen Innenstadt aufgehoben. Dadurch ist unter den Platanen vor dem Haus Union am Schibenertor eine Restfläche entstanden. Grünes Gallustal möchte diese möglichst rasch begrünen. 

Medienmitteilung vom 29. Januar 2026

Einst hätte die Platanenreihe am Eingang zum Oberen Graben beim Schibenertor der Einfahrt für eine neue Parkgarage unter dem Haus Union und dem Blumenmarkt weichen sollen. Das Projekt fürs Parkhaus Central (das ehemalige UG24) hat aber das Rennen gemacht, und die zwischen 70 und 80 Jahre alten Bäume durften stehen bleiben. Zum Glück, wie der Verein Grünes Gallustal findet. Im Frühling 2025 wurden mit Eröffnung des Parkhauses Central die oberirdischen Parkplätze unter der Platanenreihe aufgehoben, und zwar wie das in der Baubewilligung fürs Parkhaus vorgegeben wurde.

Die ehemaligen Parkplätze sind heute ungenutzt. Sie sind bereits seit der Neugestaltung dieses ganzen Strassenabschnitts im Zuge des Neubaus der «Union» Anfang der 1950er-Jahre von Rabatten mit Büschen und Stauden eingerahmt. Das Grüne Gallustal schlägt vor, den gepflästerten Teil der heute ungenutzten Restfläche möglichst rasch ebenfalls zu begrünen. Das könnte man mit vergleichsweise wenig Aufwand bewerkstelligen: Dafür müssten die Pflastersteine entfernt und durch Erde für Pflanzen ersetzt werden.

Die Bauminsel vor der «Union» heute. Die Parkplätze wurden im Frühling 2025 aufgehoben, die gepflästerten Flächen liegen brach (Bild: Grünes Gallustal).

Die Insel, wie sie in Zukunft aussehen könnte: Eine Staudenflur ersetzt die gepflästerten Flächen. Sie würde zusammen mit den 70 bis 80 Jahre alten Platanen einen Trittstein für die Stadtnatur im Stadtzentrum bilden (Visualisierung: Grünes Gallustal).

Bauminsel als Teil des Grünen Rings um die Altstadt

Die Bäume vor der «Union» stehen auf dem ehemaligen Stadtgraben. Sie sind damit Teil des Grünen Rings, der gemäss dem alten Grabenstatut um die heutige Altstadt verlaufen sollte. Zudem ist nicht anzunehmen, dass unter den Bäumen wieder einmal parkiert werden kann. Zum einen werden Senkrechtparkplätze an vielbefahrenen Strassen gar nicht mehr bewilligt. Zum anderen wird das Konzept, neue unterirdische Parkplätze durch die Aufhebung oberirdischer Plätze zu kompensieren, in der Stadt St.Gallen seit Jahren verfolgt und ist aufgrund von abgewiesenen Einsprachen auch juristisch abgesichert.

Entstehen im Siedlungsgebiet aus irgendwelchen Gründen ungenutzte Restflächen, ist es sinnvoll, diese so rasch als möglich wieder zu nutzen. Dies auch, um die Entstehung von ungepflegt wirkendem «Niemandsland» und damit die Beeinträchtigung des Ortsbildes zu verhindern. Um Auswirkungen des Klimawandels etwa auf die Aufenthaltsqualität im Stadtzentrum zu mildern, ist eine wichtiger werdende Nutzungsmöglichkeit für solche Restflächen ihre Begründung. Und dafür ist die Bauminsel vor der «Union» wirklich ideal.

Kleinflächen ausgeräumt, Trendwende nötig

Der Nutzungsdruck hat in vielen bebauten Gebieten auch in der Stadt St.Gallen stark zugenommen. Sichtbar wird das auch an vielen kleinen Restflächen, die einst grün waren und dann beispielsweise als Park- oder Abstellplätze, für breitere Einfahrten, als Standort für Installationen oder aus Bequemlichkeit gerodet und versiegelt wurden. Das Phänomen wurde schon 2016 in einem Vorstoss im Stadtparlament angesprochen. Das Verschwinden kleiner und kleinster Grünflächen wurde im Postulat an vier Beispielen praktisch illustriert.

Es ist klar: Viele dieser ehemaligen Mosaiksteinchen für die Stadtnatur können heute nicht wieder begrünt werden. Dies oft auch mit guten Gründen. Umso wichtiger ist es für das Grüne Gallustal, noch vorhandener Grünsubstanz Sorge zu tragen und auch kleine grüne Nischen im Siedlungsraum wenn immer möglich zu erhalten. Geeignete, frei werdende Nischen sollte die Stadt rasch und konsequent grün aufwerten. Eine Trendwende ist auch bei diesem oft übersehenen Grünthema nötig.

Die Parkplätze sind aufgehoben und dürfen auch nicht mehr genutzt werden. Die gepflasterte Fläche ist ungenutzt und könnte mit wenig Aufwand in eine biodiverse Grünfläche verwandelt werden (Bild: Grünes Gallustal).

Ein «Mini-Konzept» für die Bauminsel

Die ungenutzte Fläche unter den Platanen vor der «Union» ist eine Nische, die man der Natur mit wenig Aufwand zurückgeben kann, ohne jemand anderem etwas wegzunehmen. Aufgrund der vorhandenen Bäume, Büsche und Stauden eignet sie sich ideal für eine Begrünung. Die Stadt sollte hier entschieden und rasch vorgehen. Auch um ein langes vernachlässigt wirkendes Provisorium an einem Eingangstor in die Altstadt zu vermeiden. Platz für andere Bedürfnisse gibt es an Hinterer Post- und Hinterer Bahnhofstrasse genügend.

Kommt dazu, dass das rasche Aufbrechen der Pflästerung und eine grössere bepflanzte Fläche den im Strassenraum doch stark exponierten alten Platanen gut täte. Sie bekämen so gemäss dem Grünen Gallustal deutlich bessere Lebensbedingungen als heute. Wird diesen grossen Strassenbäumen in diesem Sinn Sorge getragen, ist davon auszugehen dass sie noch weitere 50 bis 100 Jahre Schatten spenden und das Mikroklima vor der «Union» positiv beeinflussen werden.

Das Grüne Gallustal hat in den Sozialen Medien bereits eine Illustration vorgestellt, die zeigt, wie die Bauminsel vor der «Union» voll begrünt aussehen könnte. Solche von den Fachleuten des Vereins entwickelten Visualisierungen sind keine Fantasieprodukte. Sie basieren vielmehr immer auf einem «Mini-Konzept», dem das Studium des Standortes vorausgeht, das die dort zu beachtenden Rahmenbedingungen berücksichtigt und auch rasch umgesetzt werden kann.

Der Obere Graben vor der «Union» auf einer 1910 versandten Ansichtskarte. Die alte «Union» im Bild wurde Anfang der 1950er-Jahre durch das heutige Geschäftshaus ersetzt. Gleichzeitig wurde das Strassenstück davor in die heutige Form mit der Bauminsel gebracht (Bild: Grünes Gallustal).

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