Die grossen Vorbilder auf der Weltkarte
Städte auf der ganzen Welt bemühen sich, das Wohlbefinden für die Bewohnerinnen und Bewohner zu steigern und die Natur zurück in die Stadt zu holen. Wir blicken auf Beispiele visionärer Städte, die sich neu erfinden – und denken darüber nach, wie Schweizer Gemeinde und Städte diese fünf Ideen übernehmen könnten.
1) Superblocks in Kopenhagen, Barcelona und Basel
Innerhalb der Superblocks in Barcelona zirkuliert der Langsamverkehr (Bild: Unsplash).
Nach dem Vorbild von Barcelona oder Kopenhagen testet die Stadt Basel das Superblocks-Konzept an zwei Standorten. Superblocks sind ein Konstrukt aus (meistens neun) Häuserblöcken, die zusammengefasst werden. Der Verkehr fliesst drumherum, Autos haben nur beschränkt Zufahrt. So wird Platz frei, der begrünt, beseelt und bespielt werden kann. Die Stadt Basel will laut Aussagen des Vereins Grüne Superblocks Basel die Testphase im Sommer 2026 beenden. Die Zivilbevölkerung hat aber Unterschriften gesammelt, um die Superblocks zu erhalten.
Fazit: St.Gallen ist klein und hat relativ wenige in sich geschlossene Häuserblocks. Mit der Aufwertung des Gevierts Schwanenstrasse-Konkordiastrasse-Florastrasse (siehe hier) bekommen wir aber eine Art Superblock im Linsebühl-Quartier. Damit die Idee hinter einem Superblock funktioniert und das Quartier die Strassen belebt, ist viel Eigeninitiative der Quartierbewohnenden gefragt. Ein Beispiel, wo dies gut funktioniert, ist das Areal Bach. Das Quartier ist relativ dicht bebaut, viele Familien haben keinen Garten. So wird das Areal Bach zum Gemeinschaftsgarten, zum Treffpunkt und zum Naherholungsgebiet.
2) Die 10-Minuten-Stadt in Utrecht
10-Minuten-Stadt in Urecht (Bild: Unsplash)
Utrecht hat das Ziel, sich zur 10-Minuten-Stadt zu entwickeln. Das heisst, dass alltägliche Bedürfnisse wie Schulen, Geschäfte, Parks und Naherholungsräume zu Fuss oder mit dem Velo in maximal zehn Minuten erreichbar sind. Das Konzept basiert auf der 15-Minuten-Stadt, zu der sich bereits Paris und rund 100 andere Städte bekannt haben. Die Städte werden dörflicher, weil man alles im eigenen Viertel findet – das reduziert den Pendlerstress und den Autoverkehr.
Fazit: In einer kleinen Schweizer Stadt wie St.Gallen ist der Handlungsdruck gering. Für Schweizer Städte könnte die Regel aber bedeuten, dass gezielt diejenigen Quartiere entwickelt werden, die über weniger Grünraum verfügen. Alle haben dann innert 10 bis 15 Minuten Zugang zu einem Quartierpark oder einem Naherholungsgebiet. Ebenso könnte eine wichtige Aufgabe der Stadt sein, das Leben in den Quartieren zu erhalten: Es braucht Quartierläden, Beizen, Treffpunkte, belebte Plätze und Areale, die von den Menschen selbst mitgestaltet werden – sozusagen kleine «Areal Bachs» in jedem Quartier.
3) Pop-up-Urbanismus in Wien
Grätzloase in Wien (Bild: Grätzloase © LA 21 Wien Tim Dornaus)
In Wien werden sogenannte Grätzloasen (siehe auch Ideenpool - Wien) seit Jahren von der Stadt gefördert. Anwohnende können sich auf ihrem Trottoir oder in der Quartierstrasse einen Raum temporär aneignen und ihn zum Nachbarschaftsort machen. Hier trifft man sich zum Essen, entspannt auf einem Bänkli oder gärtnert in Hochbeeten. Die Menschen, die in der Stadt leben, übernehmen Verantwortung für die eigene Lebensqualität – und die Stadt wird automatisch grüner und vielfältiger.
Fazit: Dieses Konzept lässt sich auch in der Schweiz gut umsetzen. Es trägt dazu bei, Verantwortung zu übernehmen und Städte zu beleben. Auch hier gilt: Es braucht Eigeninitiative aus der Bevölkerung, damit die Idee funktioniert.
4) Pocket-Parks in New York
High Line in New York (Bild: Unsplash)
In Städten wie New York, Tokyo oder Nanjing entstehen viele kleine Parks, die üppig begrünt sind. Ein berühmtes Beispiel ist der New Yorker High-Line-Park. Hier kommen Menschen für eine kurze Pause hin, um dem hektischen Alltag zu entfliehen und frische Luft zu atmen. Die Natur wirkt sich positiv aufs Wohlbefinden aus. Die WHO empfiehlt, dass jeder Mensch in maximal 300 Metern Entfernung von seinem Wohnhaus Grün vorfinden sollte.
Dieses Ziel nennt man auch die 3-30-300-Regel (Nature Based Solutions Institute NBSI). Sie besagt, dass jede und jeder vom eigenen Zuhause aus mindestens drei grosse Bäume sehen kann, in einem Stadtteil mit einer Baumbedeckung (oder Vegetationsbedeckung) von mindestens 30% lebt und nicht mehr als 300 Meter von der nächsten öffentlichen Grünfläche entfernt wohnt.
Fazit: In der Schweiz setzen sich viele Städte das Ziel einer Baumkronendeckung von 30%. In St.Gallen müssen 58’000 neue Bäume gepflanzt werden, um das Ziel zu erreichen.
5) Flussrenaturierung in Seoul
Der Cheonggyecheon-Fluss in Seoul wurde freigelegt und in ein Naherholungsgebiet verwandelt (Bild: Unsplash).
In Südkoreas Hauptstadt Seoul wurde der Cheonggyecheon-Fluss freigelegt. Ab dem Jahr 2003 wurde dafür eine mehrspurige Stadtautobahn abgerissen. Der unter dem Beton verborgene Flusslauf wurde auf knapp 11 Kilometern wieder an die Oberfläche geholt. Hier ist ein neues Naherholungsgebiet mitten in der Grossstadt entstanden.
Fazit: Auch in der Schweiz findet die Idee Anklang: In Winterthur steht die Idee im Raum, die Eulach freizulegen und öffentlich zugänglich zu machen. Grünes Gallustal hat im Leitbild vorgeschlagen, die Steinach an der Moosbrugg- und Lämmlisbrunnenstrasse freizulegen. Natürlich würden wir – im Gegensatz zu Seoul – das Ufer bunt bepflanzen und so die Biodiversität entlang der oberirdisch fliessenden Steinach fördern.
Die Informationen stützen sich auf einen Artikel im Tagesanzeiger vom 3. Februar 2026 und eigene Recherchen.