Wie sieht eine kinderfreundliche Stadt aus?
Vision eines neuen Grünraums an der Sonnenhaldenstrasse in St.Gallen (Visualisierung: Grünes Gallustal).
Die kanadische Forscherin Susan Herrington stellt in ihrer Studie «Beyond physical activity» fest, dass naturnahe Grünräume die Gesundheit, die Begegnung und die Aufenthaltsqualität von Kindern verbessern. Diese Meinung teilt auch Markus Weissert, Neuropädiater, Experte für Kinderentwicklung und Vorstandsmitglied des Vereins Grünes Gallustal.
Bäume und naturnahe Grünflächen werten unsere Städte auf und verbessern die Lebensqualität. Zu diesem Schluss kommt eine wissenschaftliche Arbeit von Susan Herrington der University of British Columbia in Kanada. Die Forscherin zeigt darin, dass Bäume und Grünflächen Menschen dazu einladen, sich länger im Freien aufzuhalten, sich zu bewegen, einander zu begegnen und ihre Umgebung aktiv zu erleben.
Besonders wertvoll sind laut der Forscherin vielfältig gestaltete Grünräume mit Bäumen, Sträuchern, Steinen, Wasser oder anderen naturnahen Elementen. Solche Orte werden intensiver genutzt als monotone oder stark versiegelte Flächen. Sie fördern Kreativität, Erholung und soziale Kontakte – und sprechen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten an. Die Forscherin und ihr Team konnten ausserdem zeigen, dass sich Kinder nach der naturnahen Umgestaltung eines Spielplatzes länger dort aufhielten, vielfältiger spielten und sich weniger schnell langweilten. Die Qualität eines Grünraums ist somit mindestens ebenso wichtig wie seine Grösse.
Die Erkenntnisse aus der Studie bestätigt auch Dr. med. Markus Weissert, Neuropädiater und Experte für Kinderentwicklung. Er ist Beirat des Vereins Grünes Gallustal und brachte seine Expertise bereits bei der Erarbeitung des Leitbildes ein. In diesem Interview erklärt er, warum es mehr Grünräume in der Stadt braucht, um die Entwicklung der Kinder zu fördern.
Diese Erkenntnisse bestärken uns, grüne «Squares» (siehe Kapitel M4 Lebensqualität) in allen Teilen der Stadt zu fordern. Jedes Kind sollte in unmittelbarer Nähe zum Wohnort einen Grünraum finden. Die Stadt St.Gallen kündigte vor einem Jahr den neuen Aktionsplan Kinderfreundliche Stadt St.Gallen als Teil der Vision 2030 der Stadt St.Gallen an. Dabei sollen Kinder mitwirken, die Quartiere aus ihrer Sicht aufzuwerten. Derzeit gibt es rund 50 Spielplätze in der Stadt St.Gallen.